ESELHALTUNG - DER BREIFüTTERUNG

Die Breifütterung


Jahrzehnte hab ich die Breifütterung abgelehnt und belächelt: Riesen Aufwand, schwere Schlepperei, verschmuddelte Halfter, verklebte Eimer und immer mal trifft es auch das Stallinventar und grundsätzlich kriege ich auch noch einen Schwall Breisabber über Kopf oder Jacke gezogen.

Nachdem aber jetzt die ersten Esel, Pferde und das Muli in die Jahre gekommen sind und die Zähne nicht mehr ganz vollzählig und/oder arbeitstüchtig sind habe ich mich wohl oder übel mit der Breifütterung beschäftigen müssen.

So verfüttere ich gut und gerne 3 Tonnen Futtercobs (90% Luzernecobs) im Jahr, und bin so zu einem professionellen Brei-Monster herangewachsen, gewappnet für alle Formen der Breifütterung:

Dauerhafte Fütterung: Zahnlose, die nichts mehr verwerten können, außer Brei.
Tägliche Fütterung: Alte Esel, die damit zusätzlich unterstützt werden
saisonale Fütterung: bei besonders eisigen Temperaturen als Vorbeugung genügender Flüssigkeitsaufnahme
gezielte Fütterung: als Träger, Belohnung, Gewöhnung oder Aufmunterung

Meine alten Tiere, egal ob Minishetty, Grossesel, Muli oder auch Ziege, deren Kauwerkzeug einfach nicht mehr funktioniert und deren Überleben quasi an der Breifütterung hängt bekommen 4-5 Fütterungen am Tag.

Die Tagesration berechnet sich aus dem Körpergewicht: 1,5kg Cobs pro 100kg Körpergewicht,
aufgeweicht wird mit der 3fachen Wassermenge
Fütterungsintervall nicht unter 4 Stunden: 7-12-17-22 Uhr hat sich bei uns bewährt und ist leistbar, die Nachtfütterung ich mache nur, wenn es mir möglich ist). Es steht trotzdem und sowieso immer Heu und Gras zur freien Verfügung, auch wenn der Stall voller Heu- und Grasknäule liegt, tut es den Tieren gut, Speichelbildung wird gefördert und sie haben ihre normale Fress-Beschäftigung.

Alte Esel mit schlechteren, aber noch funktionsfähigen Zähnen bekommen 1-2 Fütterungen am Tag.
Sonstige Alte bekommen im Winter eine Fütterung am Tag wg Wohlbefinden und Flüssigkeitsbedarf. Viele Alte trinken bei den kalten Temperaturen zu wenig, daher ist es wichtig warmes Wasser anzubieten, wenn nötig auch Zusatz von Malzbier oder Apfelsaft – Die Hauptsache ist, dass sie trinken. Meine beheizten Selbsttränken bieten automatisch wärmeres Wasser an, das ist eine echte Wohltat bei eisigen Temperaturen.

Daß ein Tier alt wird, beziehungsweise Zufütterung braucht habe ich bisher immer um das 24. Lebensjahr festgestellt. Natürlich gibt es auch Esel, die älter sind und nichts brauchen, und trotzdem tut ihnen das Zufüttern sichtbar gut.
Davor bekommen meine Equiden garnichts extra gefüttert.
Der Rest der Truppe bekommt bei starkem Frost oder anhaltendem Schmuddelwetter eine wärmende, kulinarische Aufmunterung.

Gefüttert wird auf jeden Typ und Bedarf abgestimmt und aufgeweicht:

Heucobs
Grascobs
Luzernecobs
Rübenschnitzelcobs

darunter mische ich ganz gerne Mash:
Agrobs Alpengrün Mash
Lexa Kräutermash
St. Hippolyt Irish Mash
oder selbst gemischt: Leinsamen aufgekocht, Weizenkleie, Bierhefe und Sonnenblumenkernen

und immer wieder auch:

Mineralfutter
Müsli
Öle

Bei der Zusammensetzung des Breis muss ich mich ein bisschen durchprobieren, welche Mischung und Menge bei welchem Tier gut funktioniert und in welcher Konsistenz.

Daneben ist der freie Zugang zu Heu rund um die Uhr enorm wichtig, egal, ob sie es noch verwerten können oder nicht. Die Psyche muss auch gesund erhalten werden.

Die Diskussionen um Zucker/Melasse führe ich bei meinen alten Equiden nicht. Sie kommen von mir, was nötig ist, damit sie sich wohlfühlen, gesund bleiben, gut im Futter stehen und nicht frieren. Frieren bedeutet zu wenig Futter und zu wenig Bewegung. Die Diskussion über die Menge führe ich auch nicht. Wer mit einem Kilo nicht zurecht kommt, bekommt eben 2kg oder 5kg usw. Und, wenn trotz allem nichts mehr hilft oder es auch organisatorisch oder finanzell nicht mehr zu stämmen ist, kann man einen Alten auch guten Gewissens in den Himmel schicken. Denn auch bei aller Fürsorge würde der Verlust der Kaufunktion auf kurz oder lang zum Tod des Tieres führen. Diese abgelaufene Lebenszeit versuchen wir künstlich zu verlängern. Das bedeutet Stress fürs Tier und kann es trotz allem gut gemeinten Aufwand krank machen. Magengeschwüre oder Koliken wären die Folge. Das muss man dringend beobachten und bitte im Sinne des Tieres und nicht des Machbaren entscheiden.

Bitte lasst die alten Esel nicht verhungern! Aus Angst der Esel könnte zu dick werden oder Hufrehe bekommen trauen sich viele Besitzer nicht, ihre alten Esel ordentlich zu Füttern. So verhungern sie langsam. Es ist ein Sterben auf Raten. Abgemagert stehen sie irgendwann nicht mehr von alleine auf oder liegen ganz fest.

Übrigens: Nicht alle Esel mögen aufgeweichtes Futter, nicht einmal, wenn es mit süßen Zusätzen versehen ist. Daher gewöhne ich mittlerweile auch meine Jungesel an diese Form von Futter. Denn neben der Fütterung zur Erhaltung des Futterzustands bei Alten ist es manchmal tatsächlich sehr praktisch dieses Futter als Träger oder Versteck von Medizin zu nutzen oder einfach nur als Belohnung oder Lockmittel, oder als Aufmunterung z.Bsp nach einer Zahnbehandlung.

Bitte auch darauf achten, dass bei geplanten Unternehmungen die Fütterungszeit und Menge entsprechend angepasst werden muss. Es sind erhebliche Mengen, die gefüttert werden und mit vollem Magen läuft es sich sehr schlecht und mit leerem genauso.


Eine Runde Mash für alle!


... bedeutet auch den Abwasch machen...




Röllchen - Sie sind immer ein Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.


Winter 24/25



Brave Heart, 25 Jahre, Grossesel 1,42m, 4xtäglich, alt


Lottchen, 25 Jahre, Esel 1,18m, 1xtäglich, alt


Tasso, 27 Jahre Deutschreitpony 1,41m, 1xtäglich, alt


Iko, 28 Jahre, Welsh B, 1,36m, 4xtäglich, Zahnlos


Stanford, 6 Jahre, Trakehner 1,75m, 1xtäglich, Wachstum


Lizzy, 6 Jahre, Esel, 1,00m, 1xtäglich Fohlen bei Fuß


Hippie, 30 Jahre, Minishetty, 1xtäglich, alt


Silas, 28 Jahre, Muli, 1,15m, 1xtäglich, alt

Letzte Änderung: 22.03.2025